Fördermitglied Holger, alias Doc Willard T. Rooster

Fördermitglied Holger, alias Doc Willard T. Rooster

Kurzbiographie Dr. Willard T. Rooster

geboren im Jahr 1830 als Sohn eines Arztes mit dem Taufnamen Wilhelm Traugott Hahn im thüringischen Bad Salzungen. Nachdem mein Vater eine Arztpraxis in Jena eröffnete, ging ich dort zur Schule. Nach einem Medizinstudium in Leipzig sollte ich, so der Wunsch meiner Eltern, die Praxis meines Vaters übernehmen. Bereits in meinem ersten Studienjahr wurde ich von den revolutionären Unruhen im März des Jahres 1848 erfasst. Das Verfassen aufrührerische Traktate und deren Verteilung in Leipzig und meiner Heimatstadt Jena bringt die Obrigkeit gegen mich auf. Um Verfolgung zu entgehen soll ich zu meinem Jahre zuvor in die USA übergesiedelten Onkel mütterlicherseits nach New York reisen, um in dessen Handelsunternehmen zu arbeiten. Abreise im Mai 1849 von Bremerhaven. Auf der Überfahrt Kennenlernen eines medizinisch beschlagenen Mitreisenden und erlernen grundlegender pflegerischer Tätigkeiten erkrankter Übersiedler. An Bord als dessen Gehilfe. Ankunft im Frühsommer in New York und Arbeit im Unternehmen des Onkels. Gutes Verhältnis zu diesem, zunehmend schlechtes jedoch zu dessen zweiter Frau, daher 1850 Abschied vom Onkel und dessen Firma und Reise nach Virginia, hier einige Hilfstätigkeiten (u.a. in einem städtischen Irrenhaus), dann weiter nach North Carolina. Längere Zeit Tätigkeit in einem Handelsunternehmen in Columbia, South Carolina, wo ich die im Geschäft meines Onkels erworbenen Fähigkeiten gewinnbringen einzusetzen vermochte. Ich lebte sparsam und konnte dank einiger glücklicher Beteiligungen an kleineren, aber erfolgreichen Projekten im Zusammenhang mit dem Bau und Erhalt der Eisenbahn einiges Geld machen, das es mir erlaubte, mir Reitunterricht zu nehmen und schließlich auch ein eigenes Pferd zu erwerben und eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen. Bei einem meiner Ausritte lernte ich Archibald Scallions kennen, der mit seinem bunten Wagen die südlichen Staaten durchfuhr und dabei marktschreierisch ein Gebräu unter das Volk brachte, das den exotischen Namen „Dr. Scallion‘s Complete Indian Remedy, Blood Purifier and Hair Grower“ trug und welches, wie er mir eines Tages verriet, etwas Opium, Alkohol, Honig und eine geheime Zutat enthielt, die er einem alten Indianerschamanen im Tausch gegen billigen Fusel entlockt haben wollte. Ich schloss mich ihm im Frühjahr des Jahres 1851 an und übernahm fortan einen festen Part in den Verkaufsveranstaltungen für seine Wundermedizin. Von ihm lernte ich nicht nur, wie man unschlüssige Geschäftsleute, knauserige Farmer, verhärmte Stadtfrauen, leichtgläubige Töchter aus gutem Haus und knallharte Plantagenarbeiter dazu bringt, ihr schwer (manchmal aber auch leicht) erarbeitetes oder gewonnenes Geld aus der Tasche zu locken, sondern vor allem auch, Menschen genau zu beobachten und ihr Verhalten anhand bestimmter Merkmale einzuschätzen. In den folgenden Jahren reiste ich meist gemeinsam, mitunter aber auch allein durch Tennessee, Missouri und das Iowa Territorium. Ich vertiefte nebenher meine Kenntnisse über die Besonderheiten der Menschen, ihrer Sitten, Denkweisen und Gebräuche sowie Natur, Pflanzen und Tierwelt. Mit Beginn des Bürgerkriegs trennten sich meine Wege von jenen meines Freundes Archibald, da dieser danach trachtete, mit dem Handel mit Versorgungsgütern für die Armee des Nordens sein Glück zu versuchen. Er war überzeugter Unionist, ich jedoch konnte seinerzeit mich nicht für die Idee erwärmen, dass ein Staat nicht um der Überzeugungen seiner Bürger willen aus einem Verbund austreten konnte, so wie ich mich selber ja seinerzeit von meiner Heimat losgesagt hatte, als ich in Konflikt mit der herrschenden Ordnung geriet. Doch hatte ich neben den Wundern und Schönheiten des Südens auch genug von seinen Schattenseiten und dem Elend vieler Menschen und Kreaturen gesehen, um mich ebenfalls nur wenig mit dem Gedanken anfreunden zu können, für dessen Sache meine Gesundheit oder gar mein Leben auf Spiel zu setzen. So kam es schließlich, dass es mich immer stärker in Richtung der noch nicht von der Zivilisation vollkommen vereinnahmten Gebiete zog. Ich beschloss, dem Geschäft von Arthur Scallions treu zu bleiben, jedoch meine eigene Medizin herzustellen, da ich mittlerweile einiges von der Wirkung diverser Pflanzen, Mineralien und chemischer Zutaten verstand. In den Folgejahren verkaufte ich meine eigenen Wundermedizin in den Frontiergebieten, immer wieder unterbrochen oder begleitet durch Hilfstätigkeiten bei der Pflege Kranker bei den häufigen Ausbrüchen von Seuchen wie Cholera oder Blattern, hier stand ich auch immer wieder in engem Kontakt zu Frontierärzten und Doktoren und tausche mich mit diesen über die Kunst der medizinischen Behandlung der typischen Krankheiten und Gebrechen der Frontierbevölkerung aus. Die Behandlungsmethoden der Ärzte waren entsprechend dem Stand der Medizin in den USA und den Frontiergebieten oftmals von zweifelhafter Natur, das Verabreichen von Abführmitteln und der Aderlass stellten die häufigste Behandlung aller möglichen Leiden dar. Da mir schnell klar wurde, dass dies im besten Falle zwar nicht schadete, meist aber auch nicht half, sah ich meine Verkaufstätigkeit als sinnvolle Ergänzung zur ärztlichen Kunst. Meine Medizin richtete keinen nennenswerten Schaden an und da es ohnehin in Gottes Hand und der Robustheit des Patienten lag, ob er wieder gesundete oder nicht, tat ich auf meine Art nichts anderes als die damaligen Ärzte auch, nämlich abzuwarten, ob von allein eine Besserung eintrat oder nicht. So oft ich auch durch Überfälle, Unglücke und manchmal auch erboste Bürger meine Ersparnisse verlor, konnte ich doch immer wieder zu Geld und einigem Wohlstand gelangen und mir schließlich ein Haus in Beatrice kaufen, einer kleinen, aber florierenden Stadt in Nebraska am Big Blue River. Als Beatrice in den 1870er Jahren an das Netz der Burlington and Missouri River Railroad angebunden wurde, erweiterten sich meine Reisemöglichkeiten auf eine bequeme Art und Weise. Ich unternahm weiterhin Reisen, jedoch zunehmend auch mit dem Ziel des Erwerbs von Wissen an verschiedenen akademischen Orten, wo ich regelmäßig Lehrveranstaltungen im Bereich der Medizin und Philosophie besuche. Der Erwerb eines Doktortitels gelang mir schließlich dank des Einflusses meines Onkels und einiger finanzieller Investitionen in den Neubau der Bibliothek der University of Nebraska. Da ich in den Jahren zuvor in Kontakt mit den Lehren von Franz Josef Gall und Johann Spurzheim gekommen war und deren „Phrenologie“ genannte Theorie, dass der Charakter und die Persönlichkeit eines Menschen an der Form seines Schädels abzulesen sei, mit vielen meiner eigenen Erfahrungen übereinstimmte, bot ich zudem phrenologische Analysen an, für die ich in einschlägigen Kreisen schließlich über Nebraska hinaus bekannt wurde und die neben dem Verkauf meiner medizinischen Mitteln und Kuren wesentlich zur Gewährleistung meines Lebensstils beitrugen. Anteile an einem florierenden Saloon in Beatrice sowie an einigen Mühlen am Big Blue River sicherten ein Leben in einer guten bürgerlichen Situation, wie ich es aus meinem Elternhaus gekannt und als Ziel während meines ganzen Lebens verfolgt hatte.

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